Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

Dienstag, 22. Juli 2014

Hirtenschreiben der deutschen Bischöfe zu Gunsten des Franziskus-Xaverius-Vereins

Der heilige Bonifatius erinnert die Deutschen an die Missionspflicht (Standbild in Fulda)

Hirtenschreiben der in Fulda versammelten deutschen Bischöfe zu Gunsten des Franziskus-Xaverius-Vereins:
„Das Werk der Verbreitung unseres heiligen Glaubens, an dem jeder katholische Christ nach Maßgabe seiner Verhältnisse teilzunehmen verpflichtet ist, hat in unseren Tagen einen Aufschwung genommen, aus dem die Kirche gegenüber so manchen trüben Erfahrungen und bedenklichen Zeichen Trost und Hoffnung schöpft. Überall, wo der Forscherdrang neue Welten und Länder erschließt und unzivilisierte Völker in die irdische Kultur einzubeziehen sich bestrebt, folgen sofort die Glaubensboten, um neben der irdischen Kultur zugleich auch die höchsten Kulturaufgaben durch Verbreitung christlichen Glaubens und christlicher Sitte zu fördern; ja vielerorts sind die Missionäre den Pionieren der irdischen Kultur zuvorgekommen, haben das Zeichen der Erlösung schon aufgepflanzt und die Kinder der Wildnis um dasselbe versammelt. Welch eine tröstliche Erscheinung inmitten der anscheinend erlahmenden Begeisterung des christlichen Geistes in manchen Mittelpunkten der Zivilisation!

Die Sorge für die Unterhaltung dieser Missionstätigkeit hat seit vielen Jahren vorzugsweise die Gesellschaft zur Verbreitung des Glaubens getragen, die sich nach dem heiligen Missionsapostel, der vor allen am kräftigsten den Missionsgedanken erfasste und ins Werk setzte, Xaverius-Verein benennt. Auch nach der vom Oberhaupt der Kirche vor einigen Jahren getroffenen Ausscheidung und kirchlichen Ordnung einzelner Missionsgebiete bleiben immer noch 300 Missionen, die lediglich auf seine Unterstützung angewiesen sind. Allein im Jahr 1909 haben in diesen Missionen über 150.000 Heiden die heilige Taufe empfangen, ungerechnet die Taufe der Kinder.

Es leuchtet daher ein, wie wichtig es ist, dass dem genannten Missionsverein, der seine Tätigkeit über die gesamte katholische Missionswelt erstreckt und allen Bedürfnissen der Missionäre ohne Rücksicht auf Nation und Herkunft seine Sorge zuwendet, von der Liebe und Freigebigkeit der Katholiken die Mittel gewährt werden, um dieser Fürsorge entsprechen zu können. Wie erfreulich ist es deshalb, dass, während in einigen Ländern der Eifer für die katholischen Missionen zurzeit erkaltet ist, in anderen, z. B. in Amerika, die Katholiken sich ihrer Missionspflicht bewusst geworden sind und ihre Freigebigkeit für dieses wichtige Gebiet der christlichen Caritas erhöht haben! Auch die christlichen Nationen der Alten Welt dürfen in diesem Eifer nicht zurückbleiben; insbesondere darf Deutschland, das an der Verbreitung der irdischen Kultur in den neuerschlossenen Ländern in einem so regen Wettbewerb sich beteiligt, das Gebiet der höchsten Kultur- und Menschheitsinsteressen nicht vernachlässigen.

Nun ist es dankbar anzuerkennen, wie sehr sich die deutschen Katholiken dieser Aufgabe in den letzten Jahren bewusst geworden sind. Bei allen ihren Zusammenkünften, insbesondere auf ihren Generalversammlungen, hat die Missionsfrage eine besondere Beachtung gefunden, und sind immerfort neue Anregungen zu eifriger Betätigung auf diesem Gebiet ergangen. Voll freudiger Hoffnung blicken wir auf diese Bestrebungen hin und erwarten von ihnen umso größere Erfolge, je mehr die bereits bestehende Organisation des Xaverius-Vereins ausgebaut wird.

Zu dem Zweck verordnen wir, dass für diesen Verein in allen Diözesen, wo er nicht vorhanden ist, eine entsprechende Organisation geschaffen und der Verein gemäß seinen Satzungen in den Gemeinden eingeführt werde.

Zu den hochwürdigen Pfarrgeistlichen aber haben wir das Vertrauen, sie werden in ihren Pfarrgemeinden diese Organisation des Vereins durchführen und pflegen, und empfehlen ihnen, im Laufe des Kirchenjahres auf die Wichtigkeit des Xaverius-Missionsvereins und die allgemeine Missionspflicht der Katholiken hinzuweisen, wo immer sich Gelegenheit dazu bietet.

Diese Gelegenheit benutzen wir aber gern, auch den Kindheit-Jesu-Verein sowie unseren Bonifatius-Verein und den Joseph-Verein, welch letzterer die Unterhaltung der Seelsorge für unsere Landsleute im Ausland zur Aufgabe hat, eindringlich zu empfehlen.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1911)

Montag, 21. Juli 2014

Bei einer vorbildlichen Indianergemeinde in den Rockies


Der hochw. P. Placidus Sialm S.J. beschreibt in einem Brief die Feier der ersten Kommunion in seiner Mission von Fort Peck, Montana. Sie war diesmal besonders sorgfältig vorbereitet worden und Einladungen nach allen Seiten ergangen.

„Ich lud die St. Pauls-Musikkapelle und den Knabenchor ein, um diesen Kommuniontag feierlich und schön zu gestalten. Der Knabenchor sang die schöne Choralmesse De Angelis mit großer Leichtigkeit und Fertigkeit. Wenn man bedenkt, dass diese Knaben meistens unter 15 Jahren sind und dass das Lateinische für sie etwas Unerhörtes ist, so muss man staunen, wie korrekt, schön, deutlich und flüssig sie die ehrwürdigen Melodien sangen, jedes Wort verständlich und jede Note richtig. Geübte Kirchenchöre könnten es nicht besser machen. 

Diese Indianerknaben liefern den besten und stärksten Beweis von der Durchführbarkeit des päpstlichen Wunsches, den Choralgesang bei Hochämtern zu Ehren zu bringen. Dieses feierliche Hochamt war das erste, das in meiner Kirche in Poplar je gesehen wurde. Das schöne andächtige Beispiel dieser Missionsknaben war zugleich auch eine gute praktische Belehrung für alle Anwesenden, die sonst nicht wissen, wann sie knien oder sitzen oder stehen sollen. 
Der Missionär muss in der Kirche alles, während er Messe liest, leiten und zwischen den lateinischen Gebeten englische oder indianische Kommandos geben: ‚Setzt euch! Steht auf! Kniet, betet, singet, haltet still! Messbub, trag das Buch herum! bringe die Kännchen! schelle!‘ 

Diesmal war es anders – zwei Missionsknaben dienten, und da ging alles ab ohne Kommandos. Ja, wie ganz anders sind Kinder, die in einer Missionsschule unterrichtet werden! Kinder in den Regierungsschulen kennen keinen Anstand in der Kirche. Natürlich, wenn der Begleiter bzw. die Begleiterin nicht katholisch ist und steht, wenn alle knien, lernen die Pflegebefohlenen es auch nicht. Oh, die Geduld, die ein Missionär haben muss, wenn er mit Regierungsschulkindern zu tun hat!“

Einen sehr guten Eindruck machte auch die Einweihung des neuen katholischen Friedhofs: „Ich ließ die Gräber schön zieren, stellte viele Kreuze auf, und in der Mitte errichtete ich ein großes, weißes Kreuz, welches feierlich eingesegnet wurde. Die Kinder kamen in Prozession zum Friedhof, sangen auf Englisch das Apostolische Glaubensbekenntnis, und ich benutzte die Gelegenheit, den vielen anwesenden Heiden und Protestanten die Lehre über Unsterblichkeit, Auferstehung und ewiges Leben kurz zu erklären. Dann folgte die Einweihung des Kreuzes. Alles machte auf die Umstehenden großen Eindruck. Es war ein öffentliches, feierliches Bekenntnis unseres Glaubens und unserer katholischen Kirche. 

Gleich nachher sagten mir einige Indianer, wenn es in der (katholischen) Schwarzrock-Kirche so schön sei, werden bald viele Indianer dazu gehören wollen. Das füge Gott! Es ist klar und natürlich, wenn Leben im Baum ist, so muss er Blätter und Blüten und Blumen treiben. In unserer heiligen Kirche sind die Feste die Blüten und die natürlichen Blumen der wahren Religion Christi.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1911)

Hier einige Bilder vom guten P. Placidus Sialm S.J. und seinen Indianern.

Sonntag, 20. Juli 2014

„Hin zu Rom-Bewegung“ in den USA


Die „Hin zu Rom-Bewegung“ in den Vereinigten Staaten hält an. Die jährliche Zahl der Konvertiten, soweit sie amtlich bekannt wird, ist mit rund 30.000 nicht zu hoch angegeben. Auch die früher so bedeutende Verlustziffer wird durch die Anstrengungen der eifrigen Kirchenausbreitungsgesellschaft (Church Expansion Society) mehr und mehr herabgemindert. 

Unter den vielen hervorragenden Konvertiten der letzten Zeit seien genannt die Miss Angela Dickens, Enkelin des berühmten englischen Novellisten Charles Dickens, Baron Seaton, ein Abkömmling des ersten britischen Statthalters von Kanada, und endlich ein direkter Nachkomme des gefeierten Quäkerführers aus dem 17. Jahrhundert, William Penn, der seinen Namen der Provinz [sic] Pennsylvania gegeben hat.


(Aus: die katholischen Missionen, 1911)

Samstag, 19. Juli 2014

Der heilige Vinzenz von Paul über seine Gefangenschaft bei den Moslems in Tunesien


Als ich (von Marseille) zu Lande abreisen wollte, lud mich ein Edelmann ein, ihn bis Narbonne zur See zu begleiten. Wetter und Wind waren günstig, so dass wir an einem Tag Narbonne erreichen konnten; daher nahm ich die Einladung an. Aber Gott gestattete, dass drei türkische Brigantinen, welche im Golf von Lion christlichen Schiffen auflauerten, auf uns Jagd machten und uns so heftig angriffen, dass zwei oder drei Passagiere getötet und alle anderen verwundet wurden; auch ich erhielt einen Pfeilschuss, der mir zeitlebens als Wetterprophet dienen wird. Wir mussten uns ergeben, unser Steuermann wurde in Stücke gehauen, weil die Türken bei ihrem Angriff einen ihrer Anführer und vier oder fünf Galeerensklaven verloren hatten. Nachdem man uns oberflächlich verbunden hatte, legten sie uns in Ketten und setzten ihren Raubzug fort; nach sieben oder acht Tagen aber segelten sie, zufrieden mit der gemachten Beute, nach ihrer Räuberhöhle (Tunis) zurück. Dort gab man vor, man habe uns auf einem spanischen Schiff gefangen genommen, damit der französische Konsul keinen Anlass habe, uns zu befreien, und stellte uns dann zum Verkauf aus.

Dabei ging es so zu: Anstatt unserer eigenen Kleider erhielten wir einen Sklavenanzug, und mit einer Kette um den Hals führte man uns durch einige Straßen der Stadt Tunis. Dann kehrten wir zum Schiff zurück, und die Kaufleute kamen dorthin, um zu sehen, wer essen könne und wer nicht, damit sie erkannten, dass unsere Wunden nicht gefährlich seien. Darauf endlich führte man uns auf den Markt, und hier untersuchte man uns, wie man ein Pferd oder ein Rind beim Verkauf untersuchen würde. Man ließ uns den Mund öffnen und besah unsere Zähne, befühlte unsere Glieder, wir mussten gehen, laufen, Lasten heben, ringen und tausend andere Brutalitäten uns unterziehen, um unsere Kräfte erkennen zu lassen.

Ich wurde an einen Fischer verkauft; allein da ich nichts so wenig ertragen kann als das Meer, musste dieser mich bald wieder verkaufen, und ich kam jetzt an einen Arzt, einen sehr menschenfreundlichen und milden Mann, welcher, wie er mir sagte, schon 50 Jahre nach dem Stein der Wiesen suchte, ohne ihn zu finden. Meine Beschäftigung bestand darin, unter zehn bis zwölf Öfen das Feuer zu unterhalten. Er liebte mich sehr und sprach gern mit mir über die Alchemie, noch lieber aber über sein Gesetz, zu welchem er mich mit aller Gewalt hinüberzuziehen suchte, indem er mir viele Reichtümer und die Mitteilung seiner ganzen Wissenschaft versprach: Gott aber hielt mich aufrecht durch die Hoffnung auf meine Befreiung, die ich in vielen Gebeten durch die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau erflehte.

Bei diesem Arzt war ich vom September 1605 bis zum August 1606; dann wurde er zum Sultan nach Konstantinopel berufen, er starb aber auf der Reise. Er hinterließ mich seinem Neffen, der mich jedoch auch bald wieder verkaufte und zwar an einen sizilianischen Renegaten (ein zum Islam abgefallener Katholik). Dieser führte mich ins Gebirge auf sein Tomat – d. h. sein Landgut, das er vom Großherrn zur Pacht hatte, denn das Volk hat kein Grundeigentum; alle Äcker gehören dem Sultan.

Der Renegat hatte drei Frauen, und der einen von ihnen, einer Türkin, bediente sich die Barmherzigkeit Gottes, um ihren Ehemann in die Kirche zurückzuführen und mich aus der Gefangenschaft zu befreien. Neugierig, wie sie war, wollte sie die christliche Lebensweise kennenlernen; daher kam sie täglich aufs Feld, wo ich graben musste, und nach vielen Fragen befahl sie mir, das Lob meines Gottes zu singen. Die Erinnerung an das „Wie sollen wir singen im fremden Lande“ der gefangenen Juden in Babylon bewog mich, mit Tränen im Auge den Psalm Super flumina Babylonis (An den Flüssen Babylons sangen wir und weinten usw.) anzustimmen, dem ich das Salve Regina und andere Lieder folgen ließ. Sie fand an diesen Gesängen ein unsägliches Vergnügen, so dass sie am Abend ihrem Mann sagte, er habe Unrecht daran getan, seine Religion zu verlassen; sie habe dieselbe hochschätzen gelernt durch das, was ich ihr vorgesungen; sie sei dabei vor Entzücken außer sich geraten, und sie glaube nicht, dass das Paradies, das sie erwarte, ihr größere Freude gewähren könne, als die gewesen sei, welche sie bei meinem Gesang empfunden habe. 
Diese Worte machten auf ihren Mann solchen Eindruck, dass er mir am folgenden Tage sagte, er warte nur auf eine günstige Gelegenheit, um mit mir nach Frankreich zu fliehen. Die Gelegenheit bot sich aber erst nach zehn Monaten; auf einem kleinen Kahn entkamen wir und am 28. Juni 1607 landeten wir in Aiguesmortes, von wo wir wenige Tage später uns nach Avignon begaben. Hier nahm der päpstliche Vizelegat den Renegaten wieder in die Kirche auf.“ 

(Aus: die katholischen Missionen, 1878)

Später gründete der hl. Vinzenz die Congregatio Missionis, die Kongregation der Missionen, besser bekannt als Lazaristen oder Vinzentiner, die wiederum heilige Missionäre, darunter auch Märtyrer, hervorbrachte, so z. B. den hl. Justin de Jacobis, den Apostel Äthiopiens (Teil 1, Teil 2, Teil 3) sowie den heiligen Märtyrer Jean-Gabriel Perboyre, der in China für den Glauben starb (hier).

Freitag, 18. Juli 2014

Korrektur zum Eintrag „die vielleicht längste Visitationsreise der Welt“


Kürzlich hatte ich als Zusatz in dem Artikel „die vielleicht weiteste Visitationsreise der Welt“ geschrieben, dass russische Predigten in katholischen Kirchen in Russland von Staatswegen verboten waren. Das stimmt nicht. Vielmehr hatte es einen anderen Grund, dass nicht auf Russisch gepredigt wurde:

„Von größter Bedeutung wäre es auch, dass in den Kirchen des eigentlichen Russland recht bald auch russisch gepredigt würde. Das Schreiben des Kardinalstaatssekretärs Merry del Val an die Bischöfe des Zarenreichs kommt hier wirklich einem schreienden Bedürfnis entgegen. Es erklärt klar und deutlich, dass der Heilige Stuhl niemals grundsätzlich sich gegen das Predigen in russischer Sprache ablehnend verhalten, dasselbe vielmehr nur dort als weniger entsprechend bezeichnet habe, wo die Gläubigen sich einer anderen Sprache bedienten. Ausdrücklich werden russische Predigten für das eigentliche Russland jetzt zugestanden. Das ist von großer Bedeutung, da die Zahl in manchen Städten ganz erheblich zunimmt (…)“


(Aus: die katholischen Missionen, 1907)

Wunder am Grab des hl. Franz Xaver

Schrein des heiligen Franz Xaver, durch die kleinen Fenster kann man den Leichnam des Heiligen sehen

Da der versprochene Bericht über die vom 26. November bis zum 28. Dezember dauernde Festlichkeit in Alt-Goa ausgeblieben ist, so möge hier die Schilderung stehen, die ein Korrespondent des Advocate of India (Bombay) entwirft.

„Die Zahl der Pilger, die Alt-Goa besuchen, wächst noch beständig von Tag zu Tag. Man schätzt die Zahl derer, die während der ersten Tage der Aussetzung die Reliquien des Heiligen an einem Tag verehrten, auf 12.000. Diese Zahl ist jetzt auf ungefähr 17.000 am Tag gestiegen. Pilgerzüge der verschiedenen Pfarreien von Goa, an ihrer Spitze ihr jeweiliger Pfarrer, kommen täglich in (Alt-)Goa an, entsprechend dem von den kirchlichen Autoritäten aufgestellten Programm.

Der Andrang der Besucher von auswärts ist ungeheuer, die Dampfer von Bombay, die am Anfang täglich gegen 700 Passagiere zu bringen pflegten, landen jetzt eine bedeutend größere Anzahl. Die Zahl stieg auf 2.000 und mehr an einem einzigen Tag, wobei eine große Anzahl über Marmagoa reiste…Die tote Stadt scheint zu neuem Leben erwacht und zum Glanz früherer Herrlichkeit zurückgekehrt zu sein, jener Zeit, wo der große Heilige, Schelle und Kruzifix in der Hand, die Menge um sich sammelte, um sie das heilige Wort zu lehren, und wo der Marschschritt der Soldaten, die zu neuer Eroberung auszogen oder mit Siegeslorbeeren zurückkehrten, widerhallte durch die Stadt, in der die portugiesischen Granden in sprichwörtlichem Glanz lebten. Tausend von Andächtigen ziehen jetzt durch ihre sonst verlassenen Straßen (Alt-Goa wurde im 18. Jahrhundert nach Epidemien aufgegeben).

In der Presse werden verschiedene Wunder berichtet, die in Alt-Goa gewirkt und auch in gehöriger Weise nachgeprüft worden sind. Von dem Postbeamten Nicolau dos Remedios Gracias, dessen Gesicht wiederhergestellt wurde (d. h. er konnte wieder sehen), habe ich schon in dem Advocate of India Mitteilung gemacht. Ein anderes Wunder ist das eines zwei Jahre alten Mädchens, Anna Maria, von Parra (Bardez). Es war wegen der vollständigen Verschließung ihrer Augenlider von Geburt an blind. Sie wurde geführt von Dr. A. Carneiro, dem Leiter der ambulanten Krankenpflege. Sobald das Mädchen die heiligen Überreste geküsst hatte, öffneten sich die Augenlider des einen Auges, dann allmählich die des andern, und das Kind ward geblendet von dem Licht und ganz verwundert, als es die Dinge und Leute um sich herum erblickte. Eine neue Welt ging ihr auf.

Der neueste und merkwürdigste Fall ist der eines englischen Protestanten, Mr. C.U.E. Aldrige, eines Heizers an der G.J.P.-Eisenbahn (35 Jahre alt). Vor etwa sieben Monaten bekam er einen Schlaganfall, infolgedessen er an allen Gliedern, selbst an den Augenlidern, gelähmt wurde. Am 16. dieses Monats wurde er zum Schrein gebracht. Sobald er die heiligen Überreste geküsst hatte und der Schleier des Heiligen über die Augen des gelähmten Mannes gezogen war, konnte er vollkommen sehen und seine Augen öffnen und schließen. 
Er sprach deutlich, konnte seine Finger mit Leichtigkeit bewegen und stieg zur Bewunderung aller, während seine Frau in Tränen der Freude ausbrach, ohne irgendwelche Hilfe, außer der eines Stocks, die Treppe hinab. Drei Stunden verharrten Mann und Frau in Dankesgebeten für die Heilung, die bei den auswärtigen Besuchern und den Bewohnern der Gegend die größte Sensation hervorrief. (Köln. Volkszeitung, Nr. 87 vom 30. Januar 1911)


(Aus: die katholischen Missionen, 1911)

Dienstag, 15. Juli 2014

Wahre Tugend zeigt sich in der Prüfung – Der Brand des Trappistenklosters U.L.F. vom Leuchtturm in Japan

Messe in der Notkapelle der Trappisten 

Bischof Alexander Berlioz von Hakodate berichtet:

„Ein schreckliches Unglück hat unsere Mission wieder heimgesucht. Das Trappistenkloster Unserer Lieben Frau vom Leuchtturm existiert nicht mehr. Am 29. März, gegen Mittag, brach plötzlich ein Brand aus. Durch den Wind begünstigt, entwickelte er sich so rasch, dass alle Hilfe vergeblich war. Mit knapper Not retteten die Patres das Allerheiligste, die heiligen Gefäße mit einigen Messgewändern und Chorbüchern und…das nackte Leben. In drei Stunden hatten die Flammen ihr Werk getan. Sofort zur Stelle eilend, fand ich nur mehr rauchende Trümmer. Alle Wohnräume, ein Teil der Ökonomiegebäude und die mit so vielen Opfern eingerichteten Werkstätten sind völlig vernichtet.

Ich kann meine Tränen nicht zurückhalten – Tränen der Trauer – denn Sie wissen, welche Bedeutung für unsere Mission dieses Kloster hatte; aber auch Tränen der Bewunderung für den Edelmut der so schwer geprüften Trappisten. Um 4 Uhr nachmittags, als es den übermenschlichen Anstrengungen gelungen war, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken, und die noch verschonten Hütten der Umgebung gegen die Flammen geschützt waren, gab der tiefgebeugte, aber immer noch für die klösterliche Regeltreue eifernde Prior ein Zeichen. 

Still versammelten sich die Mönche um ihn, ordneten sich in Reih‘ und Glied wie jeden Tag nach vollendeter Arbeit auf dem Feld und begaben sich, den Rosenkranz in der Hand, in die arme Kapelle des einige hundert Meter von der Brandstätte entfernten Waisenhauses, um dort die Non und Vesper zu singen. Von dieser Stunde an trat die Klosterregel wieder in alle ihre Rechte ein; die einzige Ausnahme, welche Pater Prior auf meine Bitte gestattete, war, dass am folgenden Tag die Matutin erst um 3 Uhr früh, anstatt um 2 Uhr begann…

Nachdem die Trümmer abgekühlt und es uns möglich wurde, die Brandstätte zu betreten, fanden wir zu unserer freudigen Überraschung inmitten der eingeäscherten Balken die große Statue Unserer Lieben Frau vom Leuchtturm aufrechtstehend. Von ihrer hohen Warte an der Spitze des Glockenturmes herabgestürzt, war sie völlig unversehrt geblieben, nur vom Rauch etwas geschwärzt. Dieser Anblick gewährte uns einen süßen Trost. 

Ich hege die Hoffnung, dass die Katholiken Europas uns helfen werden, das Bild Mariens wieder auf seinen Ehrenplatz zu erheben; und wir werden als schwaches Zeichen unserer brüderlichen Teilnahme am nächsten Sonntag in allen Kirchen und Kapellen der Mission von unseren armen Katholiken ein kleines Scherflein zu diesem Zweck erbetteln…“


(Aus: die katholischen Missionen, 1911)