Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

Donnerstag, 5. März 2015

Die letzte Kommunion des kleinen Joseph

Von Pater Siegfried O.F.M. Cap. in Chile:

Auf den Namen Joseph hatten wir den achtjährigen kränklichen Knaben getauft, und nur vier Monate war er in unserer Anstalt. Aber es gelang uns doch, ihn auf seine erste heilige Kommunion vorzubereiten. Dann aber mussten wir ihn zu seinen Eltern heimgeben.

Es vergingen einige Monate; da kam eines Tages sein Vater, ein Heide, und sagte: „Mein kleiner Joseph lässt dich grüßen und bittet, du möchtest ihn besuchen und mit ihm plaudern und ihm den ‚Herrn‘ bringen.“ „Dein Kleiner will beichten und die Kommunion empfangen!“ „Mag sein, das verstehe ich nicht!“ „Geh nun heim und sage dem Kleinen, dass ich gleich nachkomme, und dass er alles haben soll.“

Ich kam zur Hütte, die auf einer kleinen Lichtung des dichten Urwalds stand. Als ich die Hütte betrat, blieb ich einen Augenblick sprachlos stehen: im Winkel der Hütte lag der zum Skelett abgemagerte Joseph, weiß gekleidet, mit einer Kerze in der Hand, die mit Blumen umwunden war, so wie am Tag seiner ersten heiligen Kommunion. Dann beichtete er und betete die Gebete, die er bei seinem kurzen Aufenthalt in der Anstalt gelernt hatte.
Gerade als ich ihm die heilige Kommunion reichte, flog eine ganze Schar Singvögel aus dem Wald herbei und ließe sich auf der Lichtung nieder. Ihr munterer Gesang drang fröhlich herein zu uns. Freudig leuchteten die Augen des Kranken auf, und ich sagte zu ihm: „Da schau her, es ist gerade, als ob die Vöglein Engel wären, die der Heiland schickt, damit sie jetzt singen, wo er selber zu dir kommt; freue dich recht, bald darfst du im Himmel auch mitsingen mit den Engeln beim lieben Gott!“

Alle Anwesenden weinten, nur der Kleine behielt sein verklärtes Leuchten in Blick und Antlitz bis zum Abend, wo seine unschuldige Seele aus dem Körper enteilte, hin, wo die Scharen der Engel sie erwarteten.

(Quelle: das Seraphische Weltapostolat des heiligen Franziskus von Assisi , Altötting, 1931)


Dienstag, 3. März 2015

Eine kritische Untersuchung von Bartolomé de las Casas



Dies ist eine Rezension der Dissertation von Anton Freytag S.V.D. mit dem Titel Historisch-kritische Untersuchung über den Vorkämpfer der indianischen Freiheit Don Fray Bartolomé de las Casas bis zu seinem Eintritt in den Dominikanerorden.

P. Freytag hat sich für den großen Vorkämpfer der Indianer erwärmt und zeichnet dessen Leben und Wirken bis zu dem Augenblick, da las Casas, bereits ca. 50 Jahre alt, in den Dominikanerorden eintrat (1474 bis 1523). Schon diese Tatsache, dass, man kann wohl sagen, die Hauptagitation des berühmten Mannes in die Zeit vor seiner Zugehörigkeit zum Orden fällt, wird manchem überraschend kommen. Der Verfasser hat sich sehr fleißig in die reiche Literatur und vorab in die Schriften las Casas‘ selbst hineingelesen und kann das Verdienst sich zusprechen, mehrere ungenaue oder irrige Daten, wie sie immer noch in den landläufigen Darstellungen selbst in kirchengeschichtlichen Lehr- und Handbüchern stehen geblieben sind, richtiggestellt zu haben. Allem Anschein nach ist die Schrift als Baustein zu einem neuen Lebensbild des berühmt gewordenen Mannes gedacht. Vielleicht dürfen wir uns mit Rücksicht darauf einige Bemerkungen und Wünschen erlauben.

Mehr wie eine geschichtliche Gestalt hat in der Freilichtmalerei der modernen Kritik stark von ihrem Zauber verloren. Wir glauben, dieses Schicksal wird auch las Casas teilen. „Er (las Casas) war“, so urteilt u. a. der amerikanische Historiker A. T. Vandelier, „ein wohlmeinender, aber durch und durch unpraktischer Enthusiast, der weder die Indianer verstand noch die neugeschaffene Lage würdigte, die sich für dieselben durch die Entdeckung Amerikas ergab, und der alles und jeden von dem Augenblick ab verurteilte, wo sie mit seinen Anschauungen und Plänen nicht übereinstimmten. Die Angaben über die Massenmorde der Spanier verdienen keinen Glauben, am wenigsten jene, die sich auf das Zeugnis des Bischofs von Chiapas, Bartolomé de las Casas, stützten. Die ganze Literatur seiner Periode muss überhaupt mit derselben Zurückhaltung gelesen werden, mit der wir heute die Auslassungen unserer politischen Kampfpresse hinnehmen.“ Diese Worte enthalten viel Wahrheit. Jedenfalls aber darf eine Darstellung und Würdigung von las Casas‘ Leben und Wirken nicht ganz oder hauptsächlich auf dem Selbstzeugnis eines Mannes aufgebaut werden, bei dem nicht ruhige Objektivität, sondern glühende Leidenschaft die Feder führte. Die ungeheuerlichen, „phantastischen“ Übertreibungen in seinen Zahlenangaben u. ä. sind von Gelehrten wie Humboldt, Peschel, Ratzel, Supan u. a. längst aufgedeckt worden. Kein ernster Historiker, bemerkt der Franziskaner P. Anselm Weber in einer Besprechung des stark eulogistischen Lebensbildes The Life of B. de las Casas by Rev. L. B. Dutto (St. Louis 1902), mit vollem Recht, wird die leidenschaftlichen Auslassungen eines Cola di Rienzi oder Savonarola ohne weiteres als zutreffendes Bild der kirchlichen Verhältnisse im 14. und 15. Jahrhundert gelten lassen. Ihr übermäßiger Reformeifer lässt sie alles grau in grau malen, um ihre Bestrebungen und Anschauungen als einzige Rettung erscheinen zu lassen. Ganz dasselbe trifft auf Las Casas zu (vgl. Amer. Eccl. Review 1902, 590 f.). „Wer den Stoff zu einer Geschichte der nordamerikanischen Negerfrage“, so urteilt zur selben Sache der amerikanische Historiker Edward Gaylord Bourne, „ganz oder hauptsächlich aus den Spalten eines Liberator (oder ähnlicher Parteiorgane) schöpfen wollte, würde ein sehr einseitiges Bild entwerfen.“

Das wirkliche Verdienst las Casas braucht nicht verkleinert, muss aber genauer umschrieben werden. Es besteht unseres Erachtens hauptsächlich darin, dass er gewissen auch in kirchlichen Kreisen stark eingebürgerten Anschauungen über das Recht der Eroberung entgegentrat, die Leute zum Denken brachte und eine neue milde Gesetzgebung zugunsten der unterdrückten Rasse in die Wege leitete. Ganz verkehrt aber ist es, wie der genannte P. Anselm Weber O.F.M. mit Recht betont, das ganze Verdienst im Kampf um die Freiheit der Indianer auf las Casas zu konzentrieren, denn wie am Verschwinden der roten Rasse an manchen Punkten der spanischen Conquista außer der spanischen Härte eine Reihe anderer unverschuldeter Ursachen mitwirkten, die las Casas geflissentlich übersieht, so haben auch um ihre Erhaltung andere Männer, vielleicht mit mehr Erfolg, sich bemüht. Und wenn las Casas zum Teil hochangesehene Männer, einzig weil sie auf seine Ideen nicht eingehen, als Schurken hinstellt und ihnen die niedrigsten Beweggründe unterschiebt, so sind dieselben damit noch lange nicht gerichtet. Was wir wünschen, ist ein objektives Geschichtsbild, und es soll uns freuen, wenn P. Freytag ein solches zeichnen will.


(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Samstag, 28. Februar 2015

Stephen Eckert O.F.M. Cap – der Apostel der Schwarzen in Milwaukee



John Eckert wurde als das mittlere von neun Kindern am 28. April 1869 in Huron County, Ontario, geboren, wohl auf einer Farm in der Nähe des kleinen Dorfs Dublin, denn er sollte später den Ordensnamen „Father Stephen of Dublin“ tragen. Seine Eltern waren fromme katholische Bayern, die 1858 nach Kanada auswanderten. Johns Kindheit war vom tiefen Glauben seiner Eltern geprägt, die ihren Kindern eine gute religiöse und praktische Bildung angedeihen ließen und für die es kein Problem war, jeden Sonntag über 6 Meilen zur Messe zu laufen. Noch als Erwachsener zeigte er sich dankbar gegenüber seinen Eltern für diese Erziehung. Auch hatte er einen optimistischen Geist, der ihn sein Leben lang begleitete und ihm später half, auch andere für seine Seelsorgstätigkeit zu begeistern.

Während der Zeit auf der High School in Kitchener kam der Junge, der bereits seinen Eltern gegenüber den Wunsch geäußert hatte, Ordenspriester zu werden, in den Kontakt mit zwei Kapuzinern, die in der Stadt eine Mission predigten. Um mehr über den Orden herauszufinden, verbrachte er einige Tage im Kloster St. Bonaventure in Detroit (Sitz der Kapuzinerprovinz St. Joseph). Im Frühjahr 1891 trat er ins Noviziat und erhielt am 21. Mai das Habit und den Ordensnamen „Stephen“. Seine theologischen Studien machte er ab 1892 in Milwaukee, seinem späteren Wirkungsfeld, und wurde am 2. Juli 1896 zum Priester geweiht. Es folgte eine priesterliche Tätigkeit in verschiedenen Pfarreien, vor allem in New York sowie in Detroit und Wisconsin. Während seines Aufenthalts in Yonkers, NY, kam ihm das erste Mal der Gedanke, sich der Bekehrung der Schwarzen zu widmen. 1904 besuchte er das Kloster der heiligen Katharine Drexel in Philadelphia, die sich mit dem von ihr gegründeten Schwesternorden ganz der Bekehrung der Schwarzen und Indianer in den USA widmete. Nach diesem Besuch wendete er sich an seinen Ordensoberen mit dem Gedanken, eine Mission unter den Schwarzen in den Südstaaten zu eröffnen. Doch die Ordensleitung in Rom fand den Zeitpunkt nicht günstig, und Fr. Stephen führte weiterhin in treuem Gehorsam seine normale Seelsorgstätigkeit aus, ohne aber seine Hoffnung auf eine Missionierung der Schwarzen ganz auszuschlagen. Er konnte auch in New York unter den Schwarzen wirken und bekehrte dort einige Familien zum katholischen Glauben. Der Ordensvisitator äußerte sich eines Morgens erfreut und erbaut, dass so viele Afroamerikaner an der Kommunionbank der Pfarrei St. John the Baptist knieten, wo Fr. Stephen von 1907 bis 1909 diente.

1913 wurde eine Stelle an der St. Benedict the Moor Mission für schwarze Katholiken in Milwaukee frei, die zu seinem großen Glück Father Stephen übertragen wurde. Am 13. Juli traf ein Kapuziner mit einem demütigen Bruder in der Mission ein und las die Messe. Die Anwesenden waren sehr überrascht, als der Zelebrant sich nicht als der neue Priester herausstellte, sondern als der Prior des St. Franziskus-Klosters, der den neuen Priester nach der Messe vorstellen würde. Der neue Priester war Fr. Stephen, der noch kurz zuvor so erbaulich bei der Messe seines Mitbruders gedient hatte. Seine neue Herde begrüßte er mit den Worten: „Gnade euch und Friede von Gott und unserem Herrn Jesus Christus!“

Sofort ging Fr. Stephen mit seinem ganzen Seeleneifer ans Werk und besuchte in zwei Wochen knapp 500 Afroamerikaner, sprach mit ihnen eingehend, lud sie zur Messe und zum Unterricht ein und kündigte an, eine Schule einzurichten. Mehr als die Hälfte der Aufgesuchten versprach, zu kommen und hielt Wort. So wurde die Kapelle bald zu klein und es mussten zwei Messen am Sonntag gelesen werden.

Wie taktvoll und klug Fr. Stephen generell in seinem Apostolat vorging, soll ein Beispiel zeigen. Eines Tages kam ein schwarzer Mann an die Tür, der wohl eigentlich zum Methodistenprediger wollte. Er sagte, er sei wohl an die falsche Tür gekommen. Fr. Stephen erwiderte lächelnd, dass er sich wohl in der Tür geirrt habe, aber gerne eintreten könne, wenn er wolle. Der Mann trat ein, es entwickelte sich ein Gespräch über den Glauben und der zufällige Besucher versprach, über das Gehörte nachzudenken. Der Missionär mahnte ihn, im aufrichtigen Gebet die göttliche Gnade zu erflehen. Tatsächlich wurde der Mann später ein frommer und musterhafter Katholik.

1914 ging er an die Errichtung einer Schule, und da er knapp bei Kasse war, versuchte Fr. Stephen durch Missionspredigten in Pfarreien Geld zu sammeln. Der Erfolg entsprach nicht den Erwartungen, es war aber genug, um die Mission weiter auszubauen. 1920 waren bereits 120 Kinder auf der Schule. Eigentlich sollte sie dann aus Platzmangel aufs Land verlegt werden, jedoch war dies durch die widrigen wirtschaftlichen Bedingungen nach dem Ersten Weltkrieg nicht möglich.
Unermüdlich war Fr. Stephen darum besorgt, das Apostolat zu vergrößern und versuchte auch, andere für dieses Werk zu begeistern, indem er darüber auf Volksmissionen und bei Exerzitien sprach. Auch wandte er sich mit seinen Aufrufen an Bischöfe, Priester, Laien, Schulen und Klöster. Eine besondere Freude war es für ihn, als er kurz vor seinem Tod in einem Brief vom 17. Januar 1923 berichten konnte, dass nach Exerzitien in einem Seminar sich vier Seminaristen, darunter ein Schwarzer, für den Eintritt in ein Missionsseminar entschlossen hatten. Ein Zeichen seines großen Eifers sind die 246 Taufen, davon 54 bei Erwachsenen, die er allein zwischen 1913 und 1919 spendete.

Ab dem 20. Januar predigte er ein Triduum auswärts, wobei er bei der ergreifenden Predigt stark schwitzte, danach aber noch einige Zeit bei großer Kälte im Beichtstuhl saß. So zog er sich wohl die Lungenentzündung zu, die zu seinem Tod führen sollte. Er kam am 26. Januar so geschwächt in Milwaukee an, dass er direkt ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Trotz anfänglichen Anzeichen der Besserung verstarb er am 16. Februar 1923 im Alter von 53 Jahren.
Am 18. Februar wurde die Leiche im St. Franziskus-Kloster in Milwaukee aufgebahrt. Hunderte Schwarze kamen, um sich von ihrem geistlichen Vater zu verabschieden. Manche berührten sogar ihre Rosenkränze am Leichnam, um zu zeigen, dass sie ihn als Heiligen verehrten. Das levitierte Requiem am 20. wurde von Fr. Joseph Michael Eckert O.P., dem leiblichen Bruder des Verstorbenen, unter Assistenz von zwei anderen Dominikanern zelebriert. Fr. Stephens Landsmann John Forbes M. Afr., der erste kanadische Weiße Vater und selbst Missionsbischof in Uganda, betete das Libera Me am Sarg des toten Kapuziners. Über 80 Priester und 1.000 Gläubige wohnten der Zeremonie bei.
Schon bald nach seinem Tod wurden Gebetserhörungen gemeldet, und Fr. Stephen Eckerts Seligsprechungsprozess ist seit den 1950er Jahren eingeleitet.


Father Stephen war ein Mann des Gebets und der Abtötung. Lange Zeit betete er nachts vor dem Allerheiligsten. Eine Decke auf dem Boden seines Zimmers reichte ihm als Bett. Als einziger „Fehler“ wird seine große Sanftmut und Güte gegenüber den fehlenden Mitmenschen genannt. Besonders wird sein übernatürlicher Geist betont, der stets die Ehre Gottes und das Heil der Seelen suchte und der kein Gefallen an oberflächlichen Gesprächen hatte. Wo derartige Gespräche für ihn zu viel Platz einnahmen, lenkte er sie gekonnt auf tiefere Gedanken, darunter natürlich auf die Bekehrung der Schwarzen. Durch die Wärme und die Überzeugung seiner Erklärungen und die darin gezeigte Sachkenntnis schaffte er es, andere in seinen Bann zu ziehen. Möge dieser übernatürliche Geist uns allen ein Vorbild und Fr. Stephen uns und vor allem den Schwarzen in den USA ein Fürsprecher im Himmel sein.

(Quellen: cchahistory.ca, das Seraphische Weltapostolat des heiligen Franziskus von Assisi, Altötting, 1927 bzw. 1935)

Donnerstag, 26. Februar 2015

Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon – die heilige Katharine Drexel



(…) Für den weiteren Ausbau dieser und so mancher anderer Station [der Steylerpatres für die Mission unter den Schwarzen in Mississippi] sind die Patres einer edlen Frau zum höchsten Dank verpflichtet, die ihr Leben der Bekehrung und Hebung der schwarzen und roten Rasse gewidmet hat: Mutter Katharina Drexel. Tochter eines sehr reichen, tief religiösen und wohltätigen Börsenmannes in Philadelphia (ihr Großvater war Tiroler), fühlte sie sich schon früh in besonderer Weise zu den verachteten Indianern und Negern der Vereinigten Staaten hingezogen und spendete reichlich von ihrem Vermögen [kürzlich las ich in einer US-Publikation, dass es in ihrem 97-jährigen Leben wohl 12 Millionen USD waren, die sie spendete]. Nach einer Audienz bei Leo XIII., dem sie Notlage dieser Armen mitgeteilt hatte, fühlte sie die erste Anregung, eine eigene Schwesterngenossenschaft zu gründen, die sich durch Gelübde ausschließlich der Bekehrung der roten und schwarzen Rasse widmen sollte. Die Gründung des ersten Noviziats erfolgte im Jahre 1891, die Belobigung der Regeln durch die Propaganda im Jahr 1907 unter dem Titel: „Schwestern vom Allerheiligsten Sakrament für Indianer und Neger“.

Mutter Katharina hörte von der neuen Gründung auf einer Visitationsreise und sprach bei den Patres vor. Sie besichtigte alles, nichts schien ihr zu entgehen. Bei ihrem Abschied übergab sie dem glücklichen Missionär eine Summe Geldes, groß genug, um damit ein geräumiges zweistöckiges Schulgebäude zu errichten.

(…) Nachdem die Station von Vicksburg fest begründet war, versuchte P. Heick sein Glück in Jackson, der Hauptstadt des Staates Mississippi. Unter den 10.000 bis 11.000 Negern der Stadt war kein einziger Katholik. Das waren keine vielversprechenden Aussichten, aber die Schwierigkeiten begannen erst, als man an den Kauf eines geeigneten Grundstücks ging. Das ausgewählte Stück Land war günstig gelegen und nicht zu teuer, aber es hatte den einen Fehler, dass es zu nahe dem Stadtteil war, in dem die Weißen wohnten. Kaum hatte man von den Plänen des Missionärs erfahren, als eine wüste Hetze in den Zeitungen einsetzte. Schließlich erschien eine Abordnung bei P. Heick, die im Namen der weißen Bevölkerung scharfen Einspruch erhob. Eine Negerschule könne nur innerhalb der Grenzen des Negerviertels errichtet werden. Das war aber praktisch unmöglich, weil die Grundbesitzer des Negerviertels so unerschwingliche Preise forderten, dass P. Heick jede Hoffnung aufgeben musste. 

Da kam ihm wieder Mutter Katharina Drexel im entscheidenden Augenblick zu Hilfe. Sie erklärte sich bereit, jede geforderte Summe zu begleichen. Schon drei Monate später feierte P. Heick die erste heilige Messe in dem neuen Missionsgebäude, das Priesterhaus, Kirche, Schule und Schwesternhaus in einem war. Nach dem Wunsch des greisen Generalsuperiors wurde die neue Station dem Heiligen Geist geweiht, da, wie er schrieb, erfahrungsgemäß die der dritten Person der allerheiligsten Dreifaltigkeit geweihten Missionen und Anstalten immer Erfolg haben. Es sollte sich dies auch bis jetzt bewahrheiten. Obschon kein einziger katholischer Neger in der Stadt wohnte, wurden schon am ersten Tag nach der Einweihung des neuen Schulgebäudes 110 Kinder von ihren Eltern zur Mission gebracht. Bald wurde der Zuwachs so groß, dass ein Schwesterhaus und eine Kirche gebaut werden mussten. Da kein Grundstock von Katholiken am Platz war, so musste eine Pfarrei erst langsam geschaffen werden. Als erste Frucht nahm P. Heick eines der Kinder im Jahr 1909 in die Kirche auf. Im Jahr 1913 konnte er schon 35 taufen. Im letzten Jahr hatte er 324 Kinder, worunter 91 katholisch waren. Die Gesamtzahl der Katholiken ist bis auf 233 gestiegen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Mittwoch, 25. Februar 2015

Große Missionsbischöfe: Ein Sohn Don Boscos als Märtyrerbischof – St. Luigi Versiglia S.D.B., Apostolischer Vikar von Shiuchow



Heute vor 85 Jahren, am 25. Februar 1930, starb der Salesianerbischof Luigi Versiglia zusammen mit einem Mitbruder, dem hl. Callisto Caravario, den Märtyrertod in Südchina.
Luigi Versiglia wurde am 5. Juni 1873 in Oliva Gessi in der Lombardei geboren. Er kam mit 12 Jahren in die Obhut des hl. Don Bosco, der ihn tief beeindruckte. 1888, kurz nach Don Boscos Tod, wurden sieben Salesianermissionäre feierlich in die Mission gesandt, worauf der junge Luigi sich entschied, auch Salesianer und Missionar zu werden. Doch zunächst sollte er, der bereits mit 23 Jahren zum Priester geweiht wurde, ein wichtiges Amt übernehmen: Don Rua, der selige Nachfolger Don Boscos, ernannte ihn zum Novizenmeister in Genzano di Roma, eine Aufgabe, der er sich zehn Jahre lang widmete, bis er schließlich 1906 eine Gruppe von sechs Salesianermissionären anführte, die nach Südchina ausgesendet wurden.

In der Mission von Macao und Heungchow eröffnete er Waisenhäuser und Oratorien und gründete sogar ein Orchester. 1918 übernahmen die Salesianer die Mission von Shiuchow, und ab 1921 bekleidete der Heilige das Amt des Apostolischen Vikars. Er verlieh seinem neuen Sprengel eine solide Struktur mit einem Seminar, einem Haus für Berufungen und widmete sich der Planung von Altenheimen. Besonders im Gebet sah er ein unerlässliches Werkzeug des Missionars: „Ein Missionar, der viel betet, erreicht viel.“

Ab 1925 wurde sein Missionsgebiet ständig von umherstreifenden Banden von Soldaten, Kommunisten und Räubern bedroht. Fünf Mal wurde er selbst festgehalten und ausgeraubt. Er konnte sich so wohl schon auf seinen gewaltsamen Tod einstellen, denn später sagte er einmal, als ein Mitbruder ihm einen Kelch schenkte: „Du gibst mir einen Kelch, der vielleicht mit meinem Blut gefüllt werden muss!“ 1928 wurde er zur Seligsprechung von Don Bosco nach Rom eingeladen, was er allerdings ablehnte, da er in diesen schweren Zeiten seine Herde nicht verlassen wollte. Einem Mitbrüder gegenüber sagte er: „Wenn Gott das Opfer meines Lebens wünscht, um unserem armen China den Frieden zu geben, so habe ich gebetet, er möge mich zuerst hinwegnehmen. Ja, der Herr möge mich hinwegnehmen!“

Am 25. Februar 1930 brach er zusammen mit P. Caravario und einer Gruppe, unter der sich zwei einheimische Lehrerinnen und eine Schwester befanden, mit dem Boot zu einer Visitationsreise auf. Nach dem Angelusgebet wurde sie von einer Bande von Flusspiraten überfallen. Diese verlangten zunächst eine große Summe Lösegeld, die natürlich nicht bezahlt werden konnte. Daraufhin wollten sie sich bereits auf die beiden Priester stürzen, um sie umzubringen. Als die Piraten auch die Frauen bemerkten, die sich versteckt hatten, wollten sie diese ergreifen, wohl mit der Absicht, sie später zu vergewaltigen, wurden aber von den beiden Märtyrern abgewehrt. Versiglia und Caravario wurden schließlich samt der Gruppe gefangengesetzt, jedoch abgesondert und nach kurzer Zeit erschossen. die beiden Heiligen konnten sich vorher noch gegenseitig die Beichte abnehmen. Ihre Leichen wurden schrecklich verstümmelt. Die Frauen konnten am 2. März unbeschadet von Soldaten befreit werden.


Papst Johannes Paul II. sprach Luigi Versiglia und Callisto Caravario am 1. Oktober 2010 heilig.

(Quellen: sdb.org, Die Weltmission der katholischen Kirche, Jahrgang 1933, Nr. 5/6)

Montag, 23. Februar 2015

Ein Stück katholisches Japan in Deutschland


Ein einzigartiges Fest gab es am 26. Juli 1926 im Franziskanerkloster Frauenberg bei Fulda. Bischof Dr. Schmidt von Fulda spendete dem Diakon Joseph Okubo als erstem Japaner in Deutschland das Sakrament der Priesterweihe. Die Primiz war ein Stück katholisches Japan in Deutschland. Als Diakon diente der gerade in Rom geweihte Pater Noda, Subdiakon war der in Innsbruck studierende Theologe Shibutani, als Zeremonienmeister wirkte hochw. Sassakibara, als Thuriferar Frater Petrus Baptista Takemija O.F.M. Die Festpredigt hielt der P. Provinzial der Franziskaner, Bernhard Jakobi, der gerade von einer Visitationsreise aus Japan zurückgekehrt war. 

Der Neupriester wurde im Jahr 1896 in Wakamatsu geboren und erhielt mit 6 Jahren die Taufe. Er studierte zunächst im Seminar in Sapporo, dann an der Propaganda in Rom, im Franziskanerkloster in Sigmaringen und schließlich in Fulda. Jetzt wird er in der Präfektur Sapporo in Nordjapan unter seinen Landsleuten wirken. Er ist auch Teil der Bemühung, der ostasiatischen Mission ein einheimisches Antlitz zu verleihen, welche besonderen Ausdruck in der Weihe chinesischer und japanischer Bischöfe fand. 

(Quelle: Seraphisches Weltapostolat des heiligen Franziskus von Assisi, Altötting 1927)

Freitag, 20. Februar 2015

Aus Hass gegen den Papst in Irrtum und Schisma


Aus einem Artikel über die Kapuzinermission in Bulgarien schreibt P. Franziskus Leitner O.F.M. Cap. im Seraphischen Weltapostolat des heiligen Franziskus von Assisi (1928):

„Die Abneigung gegen alles, was von Rom (vom Papst) kommt, wird schon den Kindern eingeimpft. Der Kampf gegen die katholische Kirche, der schon im 9. Jahrhundert im Orient entbrannte, dauert auch heute noch fort. Es ist auch durchaus keine Seltenheit, dass ein orthodoxer Bulgare die katholische Kirche für die wahre hält, aber trotzdem aus Hass gegen den Papst im Irrtum verbleibt.“

Man sieht also, dass man nicht zu viel auf irgendwelche unverschuldeten Häresien und Schismen setzen sollte, trotz derer Menschen gerettet werden können. Mann sollte sich viel lieber (auch wenn es in den oben genannten Fällen aussichtslos erscheint) in alter katholischer Missionsmanier aufs geistliche Schlachtfeld begeben, um zur größeren Ehre Gottes und zur Rettung der Seelen zu kämpfen, da man ja nicht weiß, wie es tatsächlich um die einzelne Seele vor Gott steht. Wenn man sich zu sehr auf der Möglichkeit ausruht, dass einer, der sich tatsächlich (actu) außerhalb der Kirche befindet, trotzdem auch gerettet werden kann, wird die Missionsarbeit und somit die Rettung der Seelen im Keim erstickt. Denn wenn sich laut dem heiligen Leonhard von Porto Maurizio schon die meisten erwachsenen Katholiken verdammen, was soll da bloß aus den Nicht-Katholiken werden?

Zu dem Thema „unverschuldetes Unwissen über die wahre Kirche“ hier ein erhellender anschaulicher Beitrag.