Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

Mittwoch, 19. November 2014

Weihe der ersten Weißen Väter in Uganda an die Mutter Gottes


Im Mai des vergangenen Jahres beschlossen die Missionäre des Provikariats vom Nyanza, ihre Mission nochmals der unbefleckt empfangenen Jungfrau zu weihen, und den Weiheakt mit ihren Unterschriften unter der Muttergottes-Statue, die über dem Altar ihrer bescheidenen Kapelle angebracht ist, niederzulegen. Er lautet folgendermaßen:

"Heute, am letzten Tag des Maimonats, weihen wir Unterzeichnete, Missionäre von Uganda, die Nyanza-Mission von neuem der unbefleckten Jungfrau. Wir schenken und weihen dieser himmlischen Mutter unsere Seele und unseren Leib, unsere Arbeiten, unser ganzes Leben, unseren Tod und unsere Ewigkeit. Wir beschwören sie, selbst unsere Herrin und Oberin zu sein, damit wir durch sie, in ihr und mit ihr den Willen ihres göttlichen Sohnes erkennen, für dessen Ehre wir uns ganz hinzuopfern verlangen. Wir erklären, dass wir alles Gute, was hier gestiftet werden mag, Maria zu danken haben, und dass ihr alle Ehre davon gebührt. Zur Beglaubigung dessen haben wir diesen Akt unterzeichnet und ihn unter dem Bilde unserer guten Mutter und höchsten Herrin niedergelegt.

Schon früher berichteten wir, dass der König von Uganda an der Dysenterie erkrankte und durch P. Lourdel davon befreit wurde. Diese fast wunderbare Heilung, ohne Zweifel ein Geschenk der mächtigen Patronin, der die Missionäre feierlich sich und ihre Arbeit geweiht hatten, führte eine größere Annäherung zwischen diesen und dem König herbei. Sie hatten von neuem Unterredungen mit ihm über die Göttlichkeit unseres Glaubens, wie das Tagebuch der Mission berichtet. Dieselben fanden namentlich in den Monaten August und September statt. Eines Tages brachte ihm der Pater einen Katechismus mit Bildern und ein reich ausgestattetes arabisches Neues Testament. Sie gefielen dem König recht sehr, und er bat, diese beiden Bücher behalten zu dürfen, um sie eingehender zu prüfen. Beim Anblick des Bildes, welches die Verkündigung Mariä darstellt, fühlte er sich durch den Ausdruck der jungfräulichen Sittsamkeit getroffen, der auf dem Antlitz der Gottesmutter liegt, und seitdem fragt er bei allen Gemälden, wo die Jungfrau Maria sei.

(Aus: die katholischen Missionen, 1881)

Sonntag, 16. November 2014

Einer der Hauptunterschiede zwischen der katholischen und der nichtkatholischen Mission


Das Christentum ist eine Religion, die nach dem Willen ihres göttlichen Stifters für alle Menschen bestimmt ist und die daher auch allen Menschen verkündet werden muss. Das Christentum ist die göttliche Offenbarungsreligion und die Missionsreligion. Die wesentliche Folge davon für das Christentum und für jeden Christen ist die Missionspflicht. In diesem Missionscharakter des Christentums stimmen heute alle christlichen Religionsgemeinschaften überein. Aber ein wesentlicher Unterschied waltet zwischen ihnen ob, und zwar folgender:
Die Missionsgeschichte verzeichnet das Jahr, in dem die verschiedenen nichtkatholischen Religionsgesellschaften auch ihrerseits sich auf die Missionspflicht besonnen und ihr Missionswerk unter den Heiden begonnen haben. Lange Jahre nach ihrer Trennung von der katholischen Mutterkirche haben sie verstreichen lassen, bis sie diese Missionspflicht anerkannt und den Kampf dagegen aufgegeben haben. Seinen Missionscharakter hat das Christentum ununterbrochen im Wechsel und Wandel der Jahrhunderte nur in der katholischen Kirche gezeigt und bewahrt. In der katholischen Weltmission hat das Christentum seine Weltmission bewiesen.

Und wiederum: die Weltmission des Christentums muss apostolisch sein, das heißt, sie muss auf der Missionssendung der Apostel fußen. Nur in der katholischen Kirche finden wir die apostolische Weltmission, den apostolischen Weltboten.
Wenn wir das Jahr suchen, in dem die katholische Kirche ihre Missionstätigkeit begonnen hat, dann müssen wir die lange Reihe der zwanzig Jahrhunderte hinaufwandern, bis zu den Tagen Christi und seiner Apostel. Die Geburtsstunde der katholischen Weltmission ist jener Tag, an dem Christus der Herr auf dem Berge der Himmelfahrt vor seinen Apostel stand, ist jene Stunde, in der der glorreich Auferstandene zu ihnen sagte: "Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum geht hin, und lehret alle Völker. Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch geboten habe. Siehe, ich bin bei  euch alle Tage bis ans Ende der Welt" (Mtth. 28, 18–20). Mit diesen Worten gab Christus der Herr den Missionsbefehl. Von diesem Augenblick an begann die Weltmission der katholischen Kirche.


 (Aus: P. Robert Streit O.M.I.: Die Weltmission der katholischen Kirche. Zahlen und Zeichen auf Grund der Vatikan. Missionsaausstellung 1925, Verlag der Oblaten, Hünfeld, 1928)

Samstag, 15. November 2014

Große Missionsbischöfe: Ein Leben im Sattel – Msgr. Jean Baptiste Salpointe, Erzbischof von Santa Fe


Von den heimgegangenen nordamerikanischen Oberhirten darf wenigstens ein Erzbischof nicht fehlen, der einen großen Teil seines Lebens im Sattel oder auf dem mexikanischen Reisekarren zugebracht hat. Es ist Msgr. Jean Baptiste Salpointe, Erzbischof von Santa Fe. 

Frankreich, das Mutterland so vieler Missionäre, gab ihm am 22. Februar 1825 das Leben zu St. Maurice (Dep. Puy de Dome). Als jungen Priester führte ihn der Notschrei der amerikanischen Bischöfe nach Amerika, und das heiße Texas und das gebirgige Arizona wurden seine zweite Heimat. Hier, wo damals die Einwanderung erst begann und auf den weiten Prärien sich die wilden Apatschen und zahlreiche Reste anderer Indianerstämme umhertrieben, gab es noch Arbeit für ein junges Apostelherz. Tucson, die Hauptstadt des Territoriums von Arizona, wurde der Mittelpunkt seiner Tätigkeit, wie es dereinst seine Ruhestätte werden sollte. Diese schroffen, kahlen Berge, diese weiten, fruchtbaren Flusstäler des Gila- und Coloradosystems waren klassischer Missionsboden. Sonora hieß in spanischer Zeit diese Provinz, und vorab deutsche Jesuiten, wie die PP. Kühn (Kino), Sedlmayer, Michel, Bauer, Gerstner, Pfefferkorn, Segesser und so viele andere, hatten hier einst unter den Pimas, Papagos, Opakas und anderen Stämmen segensreich gewirkt. 
Von ihren alten Kirchen standen nur noch wenige. Doch überall fand Salpointe noch Spuren ihrer Tätigkeit und einzelne treu gebliebene Reste der einst christlichen Stämme. Noch hüteten 100 Familien von Papagos die alte Kirche San Xavier del Bac. Mit der Liebe eines Vaters ging Salpointe diesen verlassenen Schäflein und den braven, in weit zerstreuten Ranchos wohnenden mexikanischen Viehzüchtern nach. 

1857 war Arizona zur Diözese Santa Fe geschlagen worden (seit 1875 Erzdiözese). Allein die starke Einwanderung seit dem mexikanischen Krieg weckte das Bedürfnis einer besseren kirchlichen Verwaltung, und so wurde 1868 Arizona als eigenes Apostol. Vikariat von Santa Fe getrennt.  Salpointe trat an seine Spitze und entwickelte auch als Bischof eine unermüdliche Tätigkeit. Neue Stationen wuchsen aus dem Boden, Kirchen und Kapellen wurden gebaut, Schwestern zur Übernahme von Anstalten der Erziehung und Krankenpflege berufen. Das Vikariat zählte damals unter 38.000 Einwohnern 20.000 Katholiken. Rothäute aus den Stämmen der Apatschen, Papagos, Yavapais, Pimas, Maricopas, Yumas, Mohaves, Moquis waren noch etwa 20.000 vorhanden. Durch eine himmelschreiende Verordnung des Präsidenten Grant, die sog. Peace Policy, wurden diesen Stämmen mit Ausnahme der Papagos Prediger verschiedener Sekten aufgedrängt, um sie gegen ihren Willen protestantisch zu machen. Die Indianer aber verlangten Schwarzröcke [katholische Priester], und diese, an ihrer Spitze der Bischof, taten alles, um dem armen Volk den katholischen Glauben zu retten. Rastlos durcheilte Salpointe das Vikariat, machte Rundfahrten von nahezu 2000 Meilen auf schlechten Wegen, durch Gebiete, in denen die Furcht vor den streifenden Apatschenbanden allen Verkehr gestört. 

Am 13. November 1883 vertrat Salpointe seinen Metropoliten, den Erzbischof von Santa Fe, Msgr. Lamy auf der Versammlung amerikanischer Erzbischöfe in Rom; im folgenden Jahr wurde er ihm als Koadjutor beigegeben und folgte ihm 1885 auf dem erzbischöflichen Stuhl. Neun Jahre wirkte er nun als Erzbischof, bis ihn 1894 Altersschwäche zur Resignation veranlasste. Er zog sich nun nach seinem geliebten Arizona zurück und starb am 5. Juli 1898 in Tucson, wo er dereinst seine apostolische Laufbahn begonnen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1899)

Siehe auch den Artikel zu einem seiner Nachfolger, Peter Bourgade 

Freitag, 14. November 2014

Der heilige Josaphat Kuncewicz – Märtyrer der kirchlichen Einheit



Johannes Kuncewicz ward zu Wilna 1580 geboren und trat ebendaselbst 1604 unter dem Namen Josaphat in das Basilianerkloster der heiligen Dreifaltigkeit. Vom heiligen Geist selbst geleitet, übte er sich in dem tiefgesunkenen Kloster in inbrünstigem Gebet und großer Abtötung, gleichzeitig eifrig ernstem Studium ergeben, das ihn zum Verteidiger der Union (der Vereinigung der Orthodoxen mit dem Stuhl Petri) befähigte. Sein Beispiel blieb nicht ohne Früchte; bald blühte das Kloster in Wilna auf und zwei neue Klöster konnten durch den Heiligen von dort aus gegründet werden. 

Einen ebenso hochbegabten als frommen Gefährten im Werke der geistigen Neubelebung der ruthenischen Kirche erhielt der Heilige in seinem Freund Joseph Belamin Rutski. Derselbe hatte seine Studien im griechischen Kolleg zum Rom gemacht, war 1603 nach Wilna zurückgekehrt und 1607 ebenfalls in das Dreifaltigkeitskloster eingetreten. Nach dem Tod des greisen Metropoliten Pociey, der die Union mitbegründet und ihre Fahne 15 Jahre lang hochgehalten hatte, bestieg Rutski 1614 den Metropolitansitz. Auf sein Betreiben wurde der hl. Josaphat, so sehr dessen Demut sich sträubte, zum Koadjutor von Polozk und Bischof von Witebsk erhoben. Am 12. November 1617 empfing derselbe zu Wilna die Bischofsweihe. Unter der gemeinsamen Wirksamkeit dieser beiden Männer war zu Anfang 1620 die Union in ganz Weißrussland siegreich durgeführt.

Ernstere Kämpfe hatte sie aber in Rot- und Kleinrussland zu bestehen. Rutski hatte zwar feierlich von dem Stuhl von Kiew Besitz ergriffen. Basilianer aus der Schule des hl. Josaphat sollten daselbst den Kern der geistigen Neugestaltung bilden. Der Vorsteher ihrer Schaar, Anton Hrekowicz, wurde von den wütenden Schismatikern 1618 im Dnjepr ertränkt. Sie schlugen ein Loch in die Eisdecke und stießen den Blutzeugen hinein unter dem Geschrei: „Du bist ein Unierter und willst unsere Religion verraten!“ Als er sich am Rande des Eises festhalten wollte, hieben sie ihm die Arme ab und höhnten: „Ruf den Papst an!“ während die Wellen des Dnjepr den Ertrinkenden unter die Eisdecke rissen.(…)

Der hl. Josaphat hatte inzwischen dem Sturm zu trotzen, den sein Gegenbischof Smotrycki losließ. Immer höher gingen die Wogen des Aufruhrs, bis ihm endlich der Heilige zum Opfer fiel. Am 12. November 1623 wurde Josaphat in Witebsk grausam ermordet, seine Leiche schmählich entehrt und endlich in die Wogen der Dwina versenkt.
Der Martertod des Heiligen übte einen gewaltigen Eindruck auf die Lateiner in Polen und war die Ursache, dass die Union nicht fallen gelassen wurde, während des Verbrechen von Witebsk anderseits die Sache des Schismas mit Schmach bedeckte. Der Tod des hl. Josaphat war die Rettung der Union, die bis zum Sturze Polens in allen Stürmen bestehen blieb.(…)


(Aus: die katholischen Missionen 1886)

Mittwoch, 12. November 2014

Der. sel P. Dionysius von der Geburt und der sel. Bruder Redemptus vom Kreuze –zwei Märtyrer-Missionäre des Karmeliterordens (Teil 2)


Fortsetzung von hier

An einem bestimmten Tag wurden die 60 gefangenen Christen aus ihren Kerkern herausgeführt und unter Schlägen und Verwünschungen zum Ort der Hinrichtung gebracht, ein jeder von 10 Henkersknechten und einigen Kazis  umgeben, die einen letzten Versuch machten, die Verurteilten zum Abfall zu bewegen. Eine große Volksmenge hatte sich am Strand des Meeres, wo die Hinrichtung stattfinden sollte, eingefunden. Als alle versammelt waren, verkündete ein Herold den Urteilsspruch des Sultans. Derselbe stellte allen die Wahl zwischen Reichtum und Ehren, falls sie die Religion des Propheten annähmen, und dem grausamen Tode, falls sie hartnäckig blieben. Da die meisten kein Malaysisch verstanden, erklärte ihnen P. Dionysius den Sinn der Bekanntmachung und ermunterte sie mit warmer Begeisterung zur Ausdauer. Alle fanden sich zum Tod bereit und baten den Seligen, dies in ihrem Namen zu erklären, während sie sich zur Bekräftigung auf die Knie warfen, um ihren Tod zu erwarten.

Als würdiger Führer der kleinen Heldenschar erbat sich P. Dionysius die Gnade, als letzter sterben zu dürfen, um seine Genossen, wo nötig, durch seinen Zuruf zu ermutigen. Nun begann die Hinrichtung. Um die Bekenner möglichst lange leiden zu lassen, wurden sie zuerst aus der Ferne mit Pfeilen zerschossen, dann aus größerer Nähe mit Wurfspießen gespickt und schließlich mit Kris, den scharfen, schlangenförmig gebogenen malaysischen Dolchen, erstochen. Begeistert sprach P. Dionysius den Sterbenden Mut zu, betete ihnen die Akte des Glaubens, der Hoffnung, der Liebe und Reue vor und legte ihnen die heiligsten Namen Jesus und Maria auf die sterbenden Lippen. 

Bruder Redemptus war eines der ersten Opfer gewesen. Schließlich war nur noch der sel. Dionysius übrig, zum Tod erschöpft, aber voll Trost und Freude darüber, dass alle seine Schutzbefohlenen siegreich den Kampf bestanden. Heitern Antlitzes kniete er sich nieder, um den Vorangegangenen zu folgen. Da geschah etwas Unerwartetes. Die Henker, sei es durch ein Wunder behindert, wie der alte Bericht annimmt, sei es aus Ehrfurcht vor einem solchen Manne, weigerten sich zu schießen, und warfen Pfeil und Bogen von sich. Der malaysische Befehlshaber ließ den Vorfall dem Sultan melden, der sofort Weisung gab, den Seligen durch die grausame Tortur der Elefanten zu töten. Dieselbe besteht darin, dass der Verurteilte sich flach mit dem Antlitz nach oben auf die Erde legt. Der Koloss wird herangeführt, setzt seinen mächtigen Fuß auf Kopf oder Brust des Liegenden und zerstampft ihn zu Brei. Während die Anstalten dazu getroffen wurden, fuhr der Selige fort, den Umstehenden die christliche Religion zu verkünden und Gott für die Gnade zu danken, dass er ihn des Martertods gewürdigt. Da eilte ein Renegat [zum Islam abgefallener Katholik] aus Malakka, ungeduldig über die Verzögerung und von dem Hasse des Apostaten getrieben, herbei, zog sein Schwert und führte einen so furchtbaren Schlag, dass das Haupt des Märtyrers bis zu den Ohren gespalten wurde. Blutübergossen sank er nieder, während einige nahestehende Henker ihm mit ihren Kris den Todesstoß gaben. Mit letzter Kraft hatte der Bekenner das Kruzifix noch einmal an seine Lippen gepresst und den heiligen Namen Jesu angerufen. So starb der tapfere Streiter Jesu Christi, erst 38 Jahre alt. Es war im Herbst des Jahres 1638. Der Tag des Martyriums ist nicht festgestellt.

Wie die alten Berichte zu melden wissen, geschahen an der Leiche eine Reihe wunderbarer Zeichen. Während die Leichen der übrigen Märtyrer in der heißen Sonne rasch in Verwesung übergingen, blieb der sel. Dionysius unversehrt. Ein Lichtschimmer ging während der Nacht von ihm aus, seltsame Melodien klangen in den Lüften. Von allen Seiten strömte das Volk herzu, um diese Wunderdinge zu sehen. Selbst der Sultan kam und gab dem allgemeinen Gefühl der Ehrfurcht so weit nach, dass er den Seligen unter glänzendem Pomp begraben ließ. Unerklärlicherweise soll die Leiche aber stets wieder an dieselbe Stelle zurückgekehrt sein, nachdem der Sultan umsonst versucht, sich durch Überführung nach dem Eiland Dos Degradados, durch Versenkung ins Meer, durch Bergung im Urwald des unheimlichen Mahners zu entledigen. 

Die Kunde von dem glorreichen Martyrium erregte zu Goa große religiöse Begeisterung. 1642 wurden von der kirchlichen Behörde der Untersuchungsprozess eingeleitet und die Aussagen der Augenzeugen zu Protokoll gebracht. Ein wichtiges authentisches Zeugnis bot ein Brief des Gesandten Don Francesco de Sousa vom 3. März 1643 an den Karmelitergeneral in Rom. 1664 wurde der Prozess in Rom begonnen und 1675 fortgesetzt. Dann blieb er liegen bis 1701 und wiederum bis 1876 und 1890. Erst am 25. März 1900 kam das Seligsprechungsdekret zur Veröffentlichung, und am 8. April fand in der heiligen Stadt die feierliche Seligsprechung der beiden Karmeliter statt.

Das Sultanat Atschin [Aceh] hat auch nach der Eroberung Sumatras durch die Holländer seine Unabhängigkeit bis in die letzte Zeit hinein hartnäckig bewahrt und das Christentum ferngehalten, das hier trotz wiederholter Versuche bisher keinen Boden finden konnte.


(Aus: die katholischen Missionen, 1901)

Montag, 10. November 2014

Der. sel P. Dionysius von der Geburt und der sel. Bruder Redemptus vom Kreuze – zwei Märtyrer-Missionäre des Karmeliterordens (Teil 1)



Im Jahr 1900 sprach Papst Leo XIII. die Karmelitermissionäre P. Dionysius von der Geburt, einen Franzosen aus der Normandie, und Br. Redemptus vom Kreuze, einen Portugiesen, wegen ihres im Herbst 1638 in Sumatra erduldeten Martyriums selig. Hier eine  Schilderung ihrer Leidensgeschichte. Sie beginnt nach ihrer Gefangennahme durch den Sultan, der sie zusammen mit einer portugiesischen Gesandtschaft getäuscht hatte und in einem Hinterhalt überfallen ließ.

„So war der Anschlag des tyrannischen Fürsten gelungen. Die Gefangenen wurden grausam gefesselt und unter dem Spott und Hohn der meist mohammedanischen Bevölkerung durch die Stadt und vor den Sultan geschleppt. Dieser gab Befehl, den Gesandten und einige Vornehme seines Gefolges rücksichtsvoller zu behandeln, aber als Geiseln festzuhalten. Die übrigen verteilte er als Sklaven unter seine Vasallen und Hofleute mit der Weisung, sie um jeden Preis durch Drohungen und Versprechungen zur Annahme des Islams zu drängen. Nur wenige erlagen der Versuchung. Allein auch von diesen Renegaten kehrten später einige zurück und dienten als Zeugen des Martyriums ihrer glücklicheren Genossen. Die Leiden und Qualen, welche die gefangenen Christen nun zu erdulden hatten, waren so groß, dass Dom Francesco [der portugiesische Gesandte], der nach einem Monat sie wieder einmal vor sich sah, dieselben kaum mehr wiedererkannte.

P. Dionysius war einem vornehmen Hofmanne zugeteilt. Derselbe wies dem christlichen Mönche als Aufenthaltsort ein elendes Loch (ein Bericht spricht von einer bedeckten Kloake) unweit des Toreingangs zu, in welches alle Arten Schmutz und Unreinigkeit hineingeworfen wurden. Die Vorübergehenden spuckten hinein, und die Diener schütteten dort das Spülwasser u. dgl. aus und besudelten absichtlich die kärgliche Nahrung, welche dem Gefangenen gereicht wurde, und die knapp genügte, um ihn am Leben zu erhalten. Der Selige trug alles schweigend um mit himmlischer Geduld. 

An ihm wurde wie bei den übrigen der Versuch gemacht, ihn durch Vorspiegelung irdischer Freuden und Genüsse zum Teil schmählicher Art zum Abfall zu bewegen. Ruhig wies er dergleichen Anträge zurück. Er sei Priester und Ordensmann und als solcher Christus, seinem Heiland, durch unauflösliche heilige Bande verknüpft. Sein Leib sei in ihrer Gewalt, nicht aber seine Seele. Er sei bereit, für Christus alles, auch den Tod zu leiden. Mehrfach ließen die Kazis, die mohammedanischen Geistlichen, sich mit ihm in einen religiösen Wortstreit ein; er benutzte die Gelegenheit, um öffentlich und mit Eifer die christliche Religion zu verkünden, und überführte sie so siegreich ihrer Irrtümer, dass sie beschämt von ihm abließen. 

Mehr als sein eigenes Schicksal berührte den Diener Gottes dasjenige seiner Leidensgefährten. Auf seine flehentlichen Bitten hin gestattete ihm sein Herr, die Gefangenen zuweilen zu besuchen. Obschon die eisernen Kettenringe bei jedem Schritt ihm ins Fleisch schnitten, scheute er nicht diese schmerzlichen Rundgänge, um überallhin Trost und Hilfe zu tragen, die Mutlosen aufzurichten, sie Beichte zu hören und durch den Hinweis auf die ewige Krone zur Ausdauer zu ermuntern. Da er der malaysischen Sprache mächtig war, konnte er manches zur Erleichterung ihrer Lage beitragen; er bat um Almosen für sie und trug ihnen die Speisen zu, welche der Gesandte durch seine Diener ihm zugedacht. Selbst die Heiden und Moslems bewunderten diese hingebende Liebe und gaben dem Seligen den schönen Namen: Vater der Portugiesen. Für die beiden mitgefangenen Rekollekten, welche krank darniederlagen, sorgte er wie eine Mutter.

Inzwischen musste auch sein Ordensbruder, Br. Redemptus, harte Tage durchmachen. Sein grausamer Herr hatte ihm zum Spott Bart und Augenbrauen abscheren lassen und verwandte ihn dazu, die Büffel zu hüten und für sie Futter zu schneiden. Der arme Bruder hatte namentlich durch Hunger zu leiden, da man ihn oft tagelang ohne Nahrung ließ. Als er einst, zum Tode ermattet, sich in einen Wald schleppte, um dort einige essbare Wurzeln und Früchte zu suchen, ließ ihn der Herr, der ihm dies als Fluchtversuch auslegte, gefesselt vor den Sultan führen. Dieser stellte ihm die Freiheit und alle möglichen zeitlichen Vorteile in Aussicht, falls er die Lehre des Propheten annähme, andernfalls werde er ihn unter grausamen Qualen sterben lassen. Das wäre doch wunderlich, erwiderte der Bruder treuherzig, wenn er, nachdem er in dies Land gekommen, um seine Bewohner von der falschen Lehre des Propheten abzubringen, nun selber ein Muselmann würde. Er suche auf dieser Welt nichts anders, als Christus zu gefallen, und sei bereit, für ihn nicht bloß eines, sondern tausend Leben zu lassen. Sie möchten daher ihre eitlen Bemühungen, ihn zum Abfall zu bewegen, nur aufgeben. Eher werde er sich in Stücke zerreißen lassen. Da auch bei den übrigen Gefangenen alle Versuche der mohammedanischen Kazis gescheitert waren, gab der Sultan erzürnt den Befehl, sie alle gleichzeitig hinrichten zu lassen.

(Aus: die katholischen Missionen, 1901)

Fortsetzung hier

Sonntag, 9. November 2014

Ein ehemaliger Feind der „Römlinge“ als katholischer König in Nigeria


In einem Brief an den Präfekten der Propaganda, Se. Eminenz Kardinal Ledochowski, macht der Apostol. Präfekt, R. P. Lejeune aus der Genossenschaft der Väter vom Heiligen Geist, die erfreuliche Mitteilung, dass die Bevölkerung von Onitscha als König oder wohl richtiger Oberhäuptling einstimmig den katholischen Katechisten von Aguleri, Samuel Oksi Okolo, erwählt hat. „Samy“ ist früher sieben Jahre lang protestantischer „Evangelist“ und als solcher ein ausgesprochener Feind der „Römlinge“ gewesen. Allein das Wirken der katholischen Missionäre und Schwestern, vorab ihre Werke und Anstalten der Barmherzigkeit: Spitäler, Asyle, Kleinkinderbewahranstalten, Aussätzigenheime, die christlichen Dörfer befreiter Negersklaven usw., machte auf ihn großen Eindruck, öffnete ihm die Augen und führte ihn schließlich zum Übertritt. 

Gleichzeitig mit ihm wurden der protestantische Diakon Ephrem und die „Evangelisten“ Jakob, Karl und ein anderer Samuel katholisch. Seit der Zeit leistete „Samy“ als Katechist in Nsubi und Aguleri der katholischen Mission treffliche Dienste. Als nun vor einiger Zeit in Onitscha eine neue Königswahl stattfand, wurde „Samy“ von seinen Mitbürgern als Kandidat aufgestellt, trotz der protestantischen Gegenbemühungen zum König gewählt und als solcher auch von der britischen Behörde bestätigt. 

Sein erster Regierungsakt bestand darin, dass er dem P. Vogler, seinem Beichtvater, das königliche Kronidol auslieferte, ein Holzstück, dessen die früheren Könige sich bei ihren Todesurteilen und vielfach barbarischen Rechtsprechungen bedient hatten. De zweite Akt war, dass er über seinem Thron ein schönes, vom Apostol. Präfekten ihm geschenktes Kruzifix anbringen ließ, damit, wie er sagte, Heiden, Protestanten und Katholiken gleicherweise sich vor dem Zeichen der Erlösung niederwürfen. Sein dritter Regierungsakt war die Schenkung eines auf seinem Besitz liegenden Grundstücks an die Mission zum Bau einer Kapelle und Schule, der bereits begonnen ist. Bis zur Vollendung wird für 60–80 Kinder und junge Leute, Freie und Sklaven, Christenlehre und Schule in seiner eigenen Wohnung und unter seiner Aufsicht gehalten.

Der Heilige Vater hatte ob dieser guten Nachricht solche Freude, dass er für den katholischen Negerkönig sofort ein Geschenk in Gestalt eines schönen, prächtig eingerahmten Madonnenbildes bestimmte, während der Präfekt der Propaganda der Mission die stattliche Summe von 20.000 Lire überwies.


(Aus: die katholischen Missionen, 1901)